Die Geschichte der Fliegerei:
 

 

    Dädalus und Ikarus
 
  
Dädalus, ein berühmter griechischer Baumeister, baute für sich und seinen Sohn Ikarus aus Federn und Wachs Flügel, um damit aus dem Gefängnis des Königs Minos zu entfliehen. Ikarus, einmal in der Luft, wollte höher hinaus, die Welt von oben betrachten; er kam der Sonne zu nahe, das Wachs schmolz, und er stürzte ab. Diese Sage, vom römischen Dichter Ovid (43 v. Chr. bis 18 n. Chr.) in epischer Breite geschildert, charakterisiert die wesentlichen Antriebskräfte in der Entwicklung der Flugtechnik:

Verbesserung der Lebensbedingungen und der Drang, die Erdgebundenheit zu überwinden und Träume zu verwirklichen. Ähnliche Sagen, Mythen und Träume finden sich zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen.

  

    Leonardo Da Vinci

  
"Es wird seinen ersten Flug nehmen der große Vogel vom Rücken des Hügels aus, das Universum mit Verblüffung, alle Schriften mit seinem Ruhm füllen. Und ewige Glorie dem Ort, wo er geboren ward."
(1497 Leonardo da Vinci)

 
Erste konkrete Entwürfe für Flugapparate, noch in Anlehnung an das Beispiel des Vogels und der Fledermaus, stammen von Leonardo da Vinci (1452-1519).

Schon seit vorgeschichtlicher Zeit hatte der Mensch den Wunsch zu fliegen; doch fehlte ihm der nötige Antrieb. Schon früh hatte man sich daher mit dem Gedanken befasst, es den Vögeln gleich zu tun. Grundgedanke war hierbei: wenn ein kleiner Vogel wie der Spatz sich aus eigener Kraft vom Boden hob, müsste dies einem Menschen mit seinen kräftigen Armen doch ebenfalls gelingen.
Diesem Trugschluss, erlagen jahrhunderte lang Menschen und stützten sich von Türmen und Klippen in den Tod. Selbst der englische König Bladud kam bei einer Bruchlandung auf dem Appollotempel, wo sich heute London befindet, ums Leben.

 
    Borelli
 

  
1680 gelang es Borelli wissenschaftlich nachzuweisen, dass ein Mensch ohne mechanische Hilfsmittel nicht fliegen kann. Leonardo da Vinci  hatte allerdings schon vorher Zeichnungen eines Flugapparats entworfen, der als Antrieb Beine und Arme benutzte, die über Seile und Hebel, Flügel betätigten.

  

    Roger Bacon
  
Im Jahre 1250 beschäftigte sich aber schon ein engl. Mönch namens Roger Bacon, zum ersten Mal mit Ballonen und Luftschiffen, die leichter als Luft waren.

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iese ersten wissenschaftlichen Anleitungen wurden in seiner schriftlichen Abhandlung "Geheimnisse der Kunst und Natur"
 

 1542, 250 Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht. Er schrieb: "Solch eine Maschine muss aus einer großen hohlen Kugel aus Kupfer oder einem anderen leichten Metall bestehen, das wiederum äußerst dünn geschmiedet sein muss, um der Kugel die nötige Leichtigkeit zu geben. Diese soll dann mit ätherischer Luft oder "flüssigem Feuer" gefüllt und von einer Erhöhung in die Luft gestoßen werden, wo sie dann wie ein Schiff auf dem Wasser gleitet."
Offensichtlich vergaß Bacon jedoch, woher man diese "ätherische Luft" bekommen konnte bzw. aus was diese überhaupt bestand. Spätere Untersuchungen lassen darauf schließen, dass er damit vielleicht schon den "Wasserstoff"  oder einfach nur "heiße Luft" meinte. Fast fünf Jahrhunderte lang konnten sich die Wissenschaftler nicht einigen, ob Schwebekörper oder schwingende Flügel dem Menschen zum Fliegen verhelfen konnten.

Da zu jener Zeit die meisten Gelehrten (abgesehen von z. B. Leonardo da Vinci) Angehörige des Klerus waren, waren Klöster die Zentren der Wissenschaft und Forschung. Die meisten überlieferten Theorien stammten daher auch von Mönchen und Priestern. Francesco di Mendoza (*1626) nahm an, dass ein Holzschiff durch die Luft fliegen konnte, wenn man es mit "elementarer Luft" füllte.

Etwas später entwickelte John Wilkins, Bischof von Chester, Bacons Idee weiter. Er behauptete, dass ein Gegenstand gefüllt mit Luft aus der oberen Schicht, diesen zum fliegen bringen konnte. Man wusste zur damaligen Zeit schon, dass die Luft der oberen Atmosphäre dünner als die der unteren ist. Man experimentierte - wegen ihrer leichten Konsistenz - mit Eierschalen, füllte diese mit Wasserdampf und hoffte, diese würden bei Sonneneinwirkung wie der morgendliche Tau aufsteigen.

Der Jesuitenpriester Francesco de Lana-Terzi wollte mittels einen Vakuums Gegenstände zum fliegen bringen. Das mittels einer Luftpumpe erzielte beinahe Vakuum war leichter als die umgebende Luft. Er wollte hierzu extrem leichte und dünne Kupferkugeln einsetzen und die in diesen enthaltene Luft mittels der Luftpumpe entziehen. Leider gelang er hierbei schnell in einen Teufelskreis. Zahlreiche Versuche und exakte Kalkulationen bewiesen, dass die Kugeln, die dünn und leicht genug waren zu fliegen, beim Luftentzug unter dem hohen Luftdruck zerbarsten. Bei einer Verstärkung dieser waren sie wiederum zu schwer.

  Einer Lösung kam erst der brasilianische Priester 1709, Bartholomeu Lourenco de Gusmao, auf die Spur. Er wagte einen Versuch, der im Botschaftersaal am Hofe des Königs von Portugal stattfand: Gusmao entfachte in einem seiner Flugapparate ein Feuer. Das Flugmodell hob sofort vom Boden ab und segelte durch die Luft. Sein Flug wurde gestoppt, als es versehentlich gegen einen Vorhang stieß. Der Absturz setzte die Vorhänge und das Mobiliar in Brand. Angeblich nahm der König dem Wissenschaftler diesen Vorfall nicht übel, denn immerhin war er Zeuge des ersten erfolgreichen Flugs eines Flugapparates, der leichter als Luft war.

  

    Beginn der modernen Luftfahrt
 

  
"Und wozu soll ein Ballon gut sein?" fragte ein Schaulustiger den Amerikaner; der voller Begeisterung zusah.
"Sir", antwortete Benjamin Franklin, "wozu ist ein neugeborenes Kind gut?"

Zwei Monate nachdem der franz.Chemiker Antoine-Laurent Lavoisier das Gas "Wasserstoff" entdeckt hatte, befüllte Professor Jacques Charles von der Academie des Sciences, damit einen unbemannten Ballon von 3,65 Meter Durchmesser, ließ ihn vom Pariser Marsfeld aufsteigen und sah ihm nach, bis er in den Wolken verschwand. Als der Ballon 18 Kilometer weiter beim Dorf Gonesse niederging, hielten die verängstigten Bauern ihn für ein stinkendes Ungeheuer und hackten ihn in Stücke.

Einen Monat später sahen Ludwig XVI und Marie Antoinette den Brüdern Montgolfier zu, wie sie mit einem Heißluftballon in die Luft stiegen.

 

    Die Gebrüder Montgolfier
 

 
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783 wurde dann von den Gebrüdern Montgolfier der erste wirklich brauchbare Heißluftballon entwickelt. Sie behaupteten, dass sich durch das Verbrennen von Wolle und Stroh unter dem Ballon ein ganz spezielles "Montgolfierisches Gas" entwickelte das wiederum den Ballon zum Fliegen brachte. Dieses Gas war allerdings nichts anderes als heiße Luft, die sich beim Erhöhen der Temperatur immer mehr verdünnte, dann aufstieg und den Ballon mit sich nahm. Heißluft wurde bald danach durch "Wasserstoff", bzw. im 19. Jahrhundert durch das wesentlich billigere Steinkohlegas ersetzt .

Jedoch waren diese Ballone nicht anderes als ein Spielball des Windes, der nur in eine bestimmte Richtung diese fort trug und bald danach sie wieder in den Sinkflug übergehen ließ.

Mit diesem Wasserstoff gefüllten Ballon unternahmen Professor J.A.C. Charles und M.N. Robert im Dezember 1783 einen zweistündigen Flug von den Tuilerien in Paris. Rund 200.000 Bewohner von Paris beobachteten den ersten Aufstieg dieses Ballons

Zwei Monate danach unternahmen Francois Pilatre de Rozier und der Marquis d`Arlandes die erste Freiballonfahrt. Hierbei mußte der Marquis die Kohlepfanne schüren und die Außenhaut des Ballons mit einem Schwamm befeuchten, da Funken sonst einen Schwellbrand verursachten. Professor Charles folgte mit seinem Wasserstoffballon bald darauf.

Zwei Jahre später wurde der erste Ballon mit einer handbetriebenen Luftschraube bewegt, und Jean-Pierre Blanchard und der Amerikaner John Jeffries überquerten in einem Wasserstoffballon den Ärmelkanal. 1797 unternahm Jacques Garnerin von einem Ballon aus den ersten Fallschirmsprung.

  

    Graf von Zeppelin
 

 
1900 wurde in Deutschland von dem Kavallerieoffizier Ferdinand Graf von Zeppelin das auf eigene Rechnung gebaute Luftschiff LZ1 in Dienst gestellt. Allerdings ließ es sich nicht so gut steuern. Dies wurde aber 1906 durch den Nachfolger LZ2 behoben. Die Steuerbarkeit blieb aber immer noch einer der größten Probleme der Fliegerei.

Allerdings hatte man immer noch nicht ein Fluggerät für den Gleitflug bzw. für einen längeren steuerbaren Flug entwickelt. Der Engländer Sir George Cayley, der heute als  "Vater der Luftfahrt" gilt, hatte die Grundprinzipien des Fluges bereits 1799 erkannt und ein Flugzeug mit starren Tragflächen entworfen, mit einem Rumpf, in dem der Flieger saß, und einem Heckleitwerk, das Stabilisator, Seitenleiten- und Höhenruder vereinte.

Zehn Jahre später baute er das erste bemannte Gleitflugzeug und flog auch einige Meter damit. Später wurden diese Entwürfe von z. B. 1890 Clement Ader wieder aufgegriffen und es gelang ihm mit einem per Dampfmaschine getriebenen Flugzeug ein paar Hüpfer über max. 50 Meter.

 
    Otto Lilienthal
 


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rnsthaft wurde die Ideen von Cayleys Studien erst durch den Deutschen Otto Lilienthal in seinem 1889 veröffentlichten Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerei" wieder aufgenommen. Lilienthal setzte nahe seiner Heimatstadt Berlin diese Ideen in ca. 2.500 Flügen in die Praxis um. Die Tragflügel der leichten, einflügeligen Gleiter, die er zwischen 1893 und 1896 baute, bestanden aus Holmen, die mit gewachstem Segeltuch bespannte waren, was dafür sorgte, daß der Luftdruck unter dem Flügel größer war als darüber.

Seine Versuche unternahm er von einem kleinen Hügel und erreichte hierbei Weiten von ca. 250 Meter. Die Steuerung wurde hierbei durch Gewichtsverlagerung vorgenommen. Am 9.8.1896 kam er bei einem weiterem Versuch ums Leben. Er hatte nicht einmal die neuen Verbrennungsmotoren für die Fortbewegung seiner Flugapparate in Erwägung gezogen. Lilienthal war ein echter Flieger, der seine Erfahrungen sorgfältig dokumentierte und veröffentlichte. Seine Berichte wurden in viele Sprachen übersetzt und zusammen mit Aufnahmen von seinen Flügen überall in der Welt publiziert.

  
    Die Gebrüder Wright
 

 
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ie Gebrüder Wright waren Junggesellen und Söhne eines verwitweten protestantischen Bischofs, der einer kleinen Sekte vorstand. Zur Familie gehörten noch der verheiratete Bruder Lorin und die von allen innig geliebte Schwester Katharine, die den Wrightschen Haushalt mit Umsicht leitete. Die religiöse Welt des Elternhauses prägte den Charakter der beiden Brüder.

Als sie mit ihren aeronautischen Studien begannen, traten sie mit dem großen amerikanischen Luftfahrtpionier Octave Chanute sowie einer im Lauf der Jahre wachsenden Zahl an ihren Projekten interessierten oder beteiligter Männer in briefliche Verbindung. Die Brüder erhielten die zu jener Zeit übliche Erziehung und gingen dann ihre eigenen Wege. Sie wurden erstklassige Mechaniker. Nachdem sie ein gut gehendes Fahrradgeschäft aufgemacht hatten, konstruierten sie ein hervorragendes Fahrrad und fertigten es in eigener Produktion. Die technischen Kenntnisse, die sie hierbei erwarben, sollten ihnen später von großem Nutzen sein, als sie sich mit dem Entwerfen und dem Bauen von Flugzeugen beschäftigten.

Ebenso begabt zeigten sie sich bei der Erforschung aerodynamischer Gesetze, deren Ergebnisse auch spätere Physiker und Aerodynamiker noch in Erstaunen setzten. Tausende von Notizen, Diagrammen und Briefen, von denen viele bis heute veröffentlicht wurden, sind Beweis genug für die Begabung der Brüder Wright. Fast ebenso wichtig war ihr fliegerisches Talent, das beide Brüder in gleichem Maß entwickelten. Sie waren nicht nur die ersten Menschen, die flogen, sondern gleichzeitig auch die ersten wirklichen Piloten.

Durch die Veröffentlichungen der Flugversuche von Lilienthal wurden die Gebrüder Orville(1871-1948) und Wilbur(1867-1912) Wright auf die bemannte Fliegerei aufmerksam. Sie waren es auch, die die Steuerung durch eine Gewichtsverlagerung (wie es Lilienthal benutzte), durch ziehen von Drähte, die die Querstabilität durch gegenläufiges Auf- und Absenken der Flügelspitzen herstellten, ersetzten. Daraus entwickelte sich das Querruder.

Ihr erster Gleiter wurde 1900 in Kill Devil Hills North Carolina (eine Gegend mit gleichmäßigem steifem Wind, sanfte Hügeln und weichen Landeflächen) erprobt und hatte verwindbare Tragflächen. Gleiter Nr. 2 aus dem Jahre 1901 erwies sich als zu groß und zu schwer zu beherrschen, und von da an verließen die Wrights sich nicht mehr auf Lilienthals Studien, sondern führten eigene Untersuchungen durch, bei denen sie auch Modelle von Flügelformen im Windkanal testeten.
Gleiter Nr.3 entstand im September 1902 und wurde auch gleich zum Patent angemeldet. Als nächstes war die Frage des Antriebes relevant. Sie bauten daraufhin Ihren eigenen wassergekühlten Vierzylindermotor, und

auch der Propeller entstand nach eigenen Experimenten. Über die Sommermonate wurde in Kitty Hawk daraufhin Gleiter Nr. 3 auf den Einsatz als Motorflugzeug umgebaut.

 
 Der erste Motorflug
   
Schauplatz des ersten Motorfluges war die sandige, dem Wind ausgesetzte Atlantikküste in den Dünen von Kill Devil, südlich des kleinen Fischerdorfes Kitty Hawk in Nord - Carolina. Am  17.12.1903, standen Wilbur und Orville Wright früh auf und hissten eine Signalflagge, um den Männern in der Lebensrettungsstation von Kill Devil anzuzeigen, dass sie einen Flugversuch unternehmen wollten. Vier Männer, ein Junge und sein Hund kamen herüber um zuzuschauen. Einer der Männer bediente eine Kamera, mit der das Geschehen festgehalten werden sollte.
  
  Das Flugzeug, auf den Namen Flyer getauft, war ein Doppeldecker, der das Höhenruder vorn und hinten ein doppeltes Seitenruder hatte. Es besaß einen 12 PS starken eigen entwickelten Benzinmotor, der auf der unteren Tragfläche montiert war und über verkleidete Fahrradketten zwei Druckschrauben hinter den Flügeln antrieb.

Die Tragflächen selbst waren verwindbar, das heißt, man konnte ihnen einen entgegen gesetzten Ausschlag geben, so dass sie in unterschiedliche Winkel zum Luftstrom standen.

Diese Konstruktion erlaubte es in Verbindung mit dem Seitenruder, die Maschine zum Kurvenflug nach Belieben in Schräglage zu bringen und bildete die wesentlichste Errungenschaft der Wrightschen Versuche zur Flugsteuerung. Der zerbrechlich anmutende, in Wirklichkeit jedoch sehr robuste kleine Doppeldecker konnte wegen des sandigen Bodens nicht auf Rädern starten und landen und besaß deshalb Gleitkufen. Die Brüder hatten die Idee gehabt, parallel zur Windrichtung etwa fünfzehn Meter lange hölzerne Schienen zu bauen, über die ein kleiner, frei bewegliches Laufwerk rollen konnte, auf das das Flugzeug mit seinen Landekufen gesetzt wurde.

Der Pilot lag bäuchlings in der Mitte auf der unteren Tragfläche. Die Maschine wurde durch einen Draht gehalten, bis der Motor auf seine maximale Tourenzahl beschleunigt war. In diesem Augenblick löste der Pilot den Haltedraht, und die Flyer sauste die Schiene entlang. Sobald die Geschwindigkeit so groß war, dass die Tragfläche Auftrieb bekamen, hob das Flugzeug vom Laufwerk ab. Vor den ersten Flugversuch, der am 14.12.1903 stattfinden sollte, hatten die Brüder eine Münze geworfen, um zu entscheiden, wer von ihnen starten dürfe, und Wilbur gewann.

Er bediente die Steuerung jedoch nicht mit dem gebotenen Fingerspitzengefühl, so dass die Maschine absackte und schon kurz hinter der Schiene durch den Sand pflügte. Am 17.12.1903 kam Orville an die Reihe. Er brachte den Motor auf höchste Touren, löste den Haltedraht und die Flyer raste über die Schiene; schon erhob sie sich in die Luft und blieb ungefähr 12 Sekunden oben. Da sie kräftigen Gegenwind hatte, war sie in Wirklichkeit beträchtlich weiter geflogen als die nur knapp 70 Meter, die als Entfernung zwischen Start- und Landeplatz über Grund gemessen wurden.

Diesem Flug folgten noch weitere Versuche. An jenem Vormittag wurden noch drei Flüge unternommen, bei denen sich die Brüder abwechselten. Der vierte Flug mit Wilbur als Pilot dauerte schon 59 Sekunden, in denen eine auf dem Boden gemessene Strecke von knapp 260 Meter zurückgelegt wurde, was mehr als 800 Meter in der Luft entsprach.
Leider blieb der erhoffte finanzielle Erfolg danach aus und die amerikanische Armee schlug 1905 das Angebot, Ihr Flugzeug einzusetzen, aus.

Auch die brit. und franz. Regierung zeigte nicht das erhoffte Interesse. Am 16.10.1905 gaben die Brüder auf und unternahmen bis zum 6.5.1908 keine weiteren Flüge bzw. gestatteten keinem Ihren "Flyer" getauftes Flugzeug zu begutachten. Sie waren jedem anderem Flugpionier um Jahre voraus, aber keiner sah diesen Fortschritt.

Schuld waren die Brüder hieran zum Teil auch selbst, denn die peinlich genauen Wrights, waren sittenstreng erzogen und hielten nichts davon, für Ihr Projekt die Werbetrommel zu rühren. Es waren zwar Berichte und Fotografien Ihres Erfolges um die Welt gegangen aber die Berichte waren zum Teil nicht genau und blieben daher meist ungeachtet.

Sie legten mehr Wert auf die Einreichung von Patenten, als darauf, Ihre Erfahrungen zu veröffentlichen. Doch dies hatte zur Folge, dass die Entwicklung der Luftfahrt die beiden bald überholte.

Erst nachdem in Europa zahllose Erfolg versprechende Fluggeräte entwickelt wurden und auch tatsächlich flogen, entschlossen sich die Brüder Wright 1908 aus der Versenkung wieder aufzutauchen. Im Februar hatte sie endlich erfolgreich Verträge mit der U.S. Regierung unterzeichnet und den Lizenzbau ihrer Flyer durch eine Firma in Frankreich organisiert.

Im Mai 1908 reiste Wilbur nach Le Mans und führte dort seinen Flyer vor, Orville zog nach Washington, um die Army zu überzeugen. August 1908: Wilbur Wright startete vor Hunderten von Zuschauern in Frankreich; er zog in einer Minute und 45 Sek. zwei elegante Kreise und landete dann sanft. Dieser Flug war so beeindruckend, dass er in der darauf folgenden Zeit immer längere und höhere Flüge unternahm.

Zum ersten Mal war dem stauenden Publikum klar geworden, was es bedeutete ein Flugzeug wirklich steuern zu können. Dieser erfolgeichen Demonstration waren zahlreiche Studien und Verbesserungen der Flyer vorangegangen. Von 1904 mit dem Flyer II, hierauf 1905 der Flyer III, mit der es erstmals gelang ohne weiteres eine halbe Stunde in der Luft zu bleiben. Mit diesem Typ gelang es auch Kurven, Kreise, und Achten zu fliegen. Bis September 1908 vermochte kein anderes Flugzeug, sie in Bezug auf die Flugdauer zu übertreffen.

Auch Orville hatte Erfolg in Washington, obwohl ein Passagier, der erste der bei einem Motorflug ums Leben kam, getötet wurde. Er selbst wurde bei dem Absturz schwer verletzt.

Kurz darauf wurden die ersten Flyer in Großbritannien in Serie gebaut. Alle sechs Maschinen, gebaut in Lizenz von dem Unternehmer Eustace Short, war schon vor der Fertigstellung verkauft. Die Brüder spornten viele Flieger zu immer größeren Anstrengungen in vielen Ländern an. Die Wrights gründeten sogar in Pau in Südfrankreich eine der ersten Motorflugschulen. Gemeinsam machten die Brüder in der nachfolgenden Zeit Vorführungen in Italien und Deutschland.

 

    Segelflug
   
Der Begriff Segelflug wird das erste Mal von Otto Lilienthal (1848 - 1896) benutzt, der als erster systematische Untersuchungen über das Fliegen anstellt. Nach intensiver Beobachtung des Vogelflugs unternimmt Otto Lilienthal mehr als zweitausend Gleitflüge mit aus Wachstuch bespannten Hängegleitern.

In Frankfurt wird spontan eine Flugtechnische Vereinigung gegründet und im Oktober 1909, findet dort die erste Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) statt.

Schüler aus Darmstadt gründen im selben Jahr die erste Flug-Sport-Vereinigung. Mit ihren selbstgebauten Hängegleitern entdecken sie die Rhön als das ideale Gleitfluggelände in Deutschland. Der erste inoffizielle Streckenflugweltrekord wird aufgestellt - Länge 840 m, Flugdauer: 1 Minute und 50 Sekunden.

Nach dem ersten Weltkrieg verbieten die Versailler Verträge den Bau und Betrieb von Motorflugzeugen in Deutschland mit der Folge, dass von Flugbegeisterten immer mehr Gleitflüge auf der Wasserkuppe durchgeführt werden. Ab 1920 finden dort jährlich die Rhönwettbewerbe statt. Die Hängegleiter entwickeln sich weiter zu Segelflugzeugen.

Allerdings wird zu dieser Zeit noch nicht die Möglichkeit gesehen, sich fern ab von Berghängen antriebslos in der Luft zu halten. Erst 1926 erbringt Max Kegel, von einem Gewitter überrascht, unfreiwillig den Beweis, dass es thermische Aufwinde gibt. Robert Kronfeld gelingt es, bewusst einen Aufwindkanal anzufliegen und mit seinem Segelflugzeug Höhe zu gewinnen.

In den folgenden Jahren werden die Segelflugzeuge kontinuierlich weiter entwickelt. Deutschland wird zur prägenden Segelflugnation. Bereits 1939 liegt die längste mit einem Segelflugzeug zurück gelegte Strecke bei über 500 km.

Moderne Segelflugzeuge bestehen nicht mehr aus Holz und stoffbespannten Stahlrohren, sondern aus faserverstärkten Kunststoffen. Solche modernen Fluggeräte erreichen unglaubliche Leistungen. Gleitzahlen von über 60 sind keine Seltenheit, dh., wenn das Segelflugzeug im thermischen Aufwind eine Höhe von 1000 m erreicht, ist es in der Lage 60 km weit zu fliegen. Im November 2000 wurde der Weltrekord im Streckensegelflug in den südamerikanischen Anden auf über 2400 km verbessert.

 

 
Vieles hat sich seit Otto Lilienthal und den Gebr. Wright verändert. Wir leben im Düsen- und Raketenzeitalter. Die meisten Menschen haben schon einmal mit Verkehrsflugzeugen ihr Urlaubsziel erreicht und die Welt von oben gesehen. Die Symbiose aus menschlichem Geschick und fortschrittlichem Flugzeugbau ermöglicht es heute jedem Menschen, das Erlebnis des freien Fluges zu erfahren und zu genießen.